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Fotomontage2.2 - natürlich auch für die anderen Wochentage
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Gedanken

Ich denke, dass es nur wenige Menschen gibt, die in ihren ungestümen  (?)Jahren sowohl die Kostbarkeit und Einmaligkeit als auch die Verderblichkeit und Vergänglichkeit aller Dinge und alles Tuns bemerken oder gar begreifen. Zu eng ist der Raum, den ihr Blick erfasst, weil er festgelegt ist auf eine, jedem Einzelnen zugeordnete personengebundene Größe und nur widerspenstig und zäh eine Ausdehnung zulässt.

 

Erst Jahrzehnte später, nachdem sie mühsam und fleißig die Geheimnisse der Natur entzaubert und zu ihrer eigenen Offenbarung gemacht und die Nummerierungen tausender vergangener Geschehnisse und Zeiträume mit Werten aufzuwiegen gelernt haben, ist es ihnen möglich, den Radius ihrer kleinen Welt zu verlängern. Immer neue Kombinationen eines überschaubaren Alphabetes werden zu einer unvorstellbar großen Anzahl von Sinnlichkeiten zusammengesetzt, um verschwenderisch ihren Gedanken Nahrung zu sein.

 

So fügen sich nach und nach verblasste Wünsche und gesammelte Erfahrungen, gescheiterte Vorhaben und geglückte Experimente, erfüllende Erlebnisse und bittere Enttäuschungen zu Bauwerken zusammen, in denen verborgene Gänge in offene Hallen führen oder lichtdurchflutete Alleen in dunklem Grau enden. Sie konstruieren auf Sand begründete steinerne Fundamente tief auf dem Meeresgrund Luftschlösser tragend, wellblechummantelte Philharmonien beschützen Stradivari und Maultrommeln. Fassettengeschliffene Kristallfenster zaubern smaragdgrüne Tupfen auf samtiges Moos alter Grabsteine.

Oft erschließen sich einzig dem Architekten Form und Funktion dieser Glanzstücke. Ob aber bewährt aus Stahlbeton oder auf tönernen Füßen stehend: nach ihrem Tod bleiben oft nur Schrauben und Verankerungen, verwitterte Ziegel und geborstenes Glas.

 

Doch so, wie Efeu und Löwenzahn braches Terrain ungefragt zu neuem Eigentum erklären, nutzen Töchter und Söhne all den Krimskrams, den ihre Eltern zurückließen, um ihre eigenen Festungen und Konstruktionen in langlebigem Kunstharz zu gießen, und wenn wir ehrlich sind, in nie dagewesener Qualität und Quantität. (An dieser Stelle sei mir ein Stirnrunzeln erlaubt, weil Geschwindigkeit und Gier dieser Entwicklung beängstigende Größen annehmen.).

 

Hier wiederum schließt sich der Kreis und erklärt die Sorglosigkeit oder besser ausgedrückt den fundamentlosen Optimismus aller folgenden Generationen.

 

Die eingehend genannte Vergänglichkeit wird hinausgezögert und beständig hintenan gesetzt, um letztendlich als irrtümlich abgetan zu werden. Das Wissen um sie wird verdrängt und als lästig abgetan. Im schlimmsten Fall bleibt sie unerkannt. Bis sie sich bewahrheitet.

Gott steh mir bei.

 

 

 

 

Die Bilder entstanden bei einem Besuch auf Sylt.

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